KURZE GEOLOGISCHE GESCHICHTE LIECHTENSTEINS

 

DIE ALPEN IN LIECHTENSTEIN

Im der Region um Liechtenstein treffen mehrere Gebirgsdecken zusammen. Hier kommen Ablagerungsgesteine vor, die einst in weit auseinander liegenden Gebieten des Tethysmeers und zu unterschiedlichsten Zeiten entstanden. Die Gesteine des Fläscherbergs bei Balzers und des Eschnerbergs im Unterland stammen aus der Jura- und der Kreidezeit und wurden vor 170 bis 65 Millionen Jahren im nördlichen küstennahen Bereich des Tethysmeers abgelagert. Die Gesteine des Gebirges im Süden Liechtensteins, von Falknis bis Naafkopf und Rappenstein wurden ebenfalls in Jura- und Kreidezeit abgelagert, aber auf einer untiefen Plattform in der Mitte des Tethysmeers. Entlang des Rheintals, gibt es zudem Gesteine die im tiefen Ozean abgelagert wurden, kurz bevor sich die Alpen zu heben begannen. Sie sind „erst“ etwa 40 Millionen Jahre alt. Die Gesteine der östlichen Gebirgsketten von der Dreischwesternkette bis nach Malbun entstanden in der Triaszeit vor 240 bis 200 Millionen Jahren und gehören zu den ältesten Meeresablagerungen der Alpen. Sie wurden am südlichen küstennahen Rand des Tethysmeers abgelagert.

Die Gesteine dokumentieren noch heute ihre Entstehungsgeschichte.

Geologische Karte Liechtensteins 1:25'000

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Ausschnitte sämtlicher fünf grosser Bereiche des Tethysmeers bauen die Berge um das Liechtensteiner Rheintal auf

Hinsichtlich der Gesteinszusammensetzung und des tektonischen Baus unterscheiden sich die Decken deutlich voneinander. Die Lechtal-Decke (Adriatischer Kontinentalrand) wird dominiert von massigen Evaporiten, also von Ablagerungen, die durch Verdunstung von küstennahem, untiefen Meerwasser im trockenheissen Klima der Triaszeit entstanden. Dazu gehört der mächtige Hauptdolomit, dessen Schollen gegeneinander und teilweise übereinander verschoben sind. 
Die Flysch-Decken (Walliser-Trog) bestehen aus tonhaltigen Tiefseeablagerungen. Vorarlberg- und Liechtenstein-Flysch bilden mächtige Keile, die einander von Südosten her überschoben sind und sich gegen Südosten ausdünnen. Der Prättigau-Flysch erscheint ebenfalls als grosser Keil, der gegen Norden abtaucht und ausläuft. Die Flysch-Decken formen damit eine Vertiefung, in der die Falknis-Decke (Brianconnais-Schwelle) mit den höchsten Gipfeln des Landes sitzt. Diese ist sehr stark verfaltet. Liegende Falten wurden als grosse Schuppen, die in sich mehrfach gefaltet sind, übereinander geschoben.
In kleineren Aufschlüssen sind Gesteine des Piemont-Ozeans anzutreffen.
Die Kreide-Kalke der Säntis-Decke (Europäischer Kontinentalrand)  entstanden in tropisch warmem Wasser des küstennahen nördlichen Tethysmeers. Sie formen eine langgezogene Falte (Antiklinale), welche in Form des Eschnerbergs aus der nacheiszeitlichen Füllung des Rheintals auftaucht. Sie bilden auch den nördlichen Fläscherberg.